Immobilienfinanzierung für Kapitalanleger: Der komplette Leitfaden (2026)
Immobilienfinanzierung als Kapitalanlage: Annuitätendarlehen, Tilgung, Zinsbindung und Leverage-Effekt. Mit Rechenbeispielen und Strategien für Investoren.
Die Finanzierung ist das Herzstück jedes Immobilien-Investments. Während Selbstnutzer vor allem eine möglichst niedrige Rate anstreben, denken Kapitalanleger grundlegend anders: Sie nutzen Fremdkapital als Hebel, um die Rendite auf ihr eingesetztes Eigenkapital zu maximieren. Doch wer diesen Hebel falsch ansetzt, riskiert Cashflow-Probleme, eine übermäßige Verschuldung oder schlicht ein unrentables Investment.
In diesem Leitfaden erfährst du, wie du die Immobilienfinanzierung als Kapitalanleger strategisch planst -- vom Annuitätendarlehen über den optimalen Tilgungssatz bis hin zum Leverage-Effekt. Alle Konzepte werden mit konkreten Rechenbeispielen verdeutlicht, damit du fundierte Entscheidungen treffen kannst.
Das Annuitätendarlehen: So funktioniert die Standard-Finanzierung
Das Annuitätendarlehen ist die mit Abstand häufigste Finanzierungsform bei Immobilien in Deutschland. Seine zentrale Eigenschaft: Die monatliche Rate (Annuität) bleibt über die gesamte Zinsbindung konstant. Was sich verändert, ist die Zusammensetzung dieser Rate.
Die Zusammensetzung der Annuität
Jede monatliche Rate besteht aus zwei Teilen:
- Zinsanteil: Zinsen auf die aktuelle Restschuld
- Tilgungsanteil: Rückzahlung eines Teils der Restschuld
Da mit jeder Zahlung die Restschuld sinkt, verringert sich auch der Zinsanteil. Weil die Gesamtrate aber gleich bleibt, steigt der Tilgungsanteil automatisch an. Diesen Effekt nennt man ersparte Zinsen -- du tilgst mit der Zeit immer schneller, obwohl du den gleichen Betrag zahlst.
Formel zur Berechnung der monatlichen Rate
Die monatliche Annuität lässt sich wie folgt berechnen:
Monatliche Rate = Darlehenssumme x (Zinssatz + anfängliche Tilgung) / 12
Beispiel: Du finanzierst 200.000 Euro zu 3,5 % Zins und 2 % anfänglicher Tilgung.
- Jährliche Annuität: 200.000 x (3,5 % + 2 %) = 200.000 x 5,5 % = 11.000 Euro
- Monatliche Rate: 11.000 / 12 = 916,67 Euro
Im ersten Monat setzt sich diese Rate so zusammen:
- Zinsanteil: 200.000 x 3,5 % / 12 = 583,33 Euro
- Tilgungsanteil: 916,67 - 583,33 = 333,33 Euro
Im letzten Monat der Zinsbindung (nach beispielsweise 10 Jahren) ist die Restschuld deutlich gesunken, und der Tilgungsanteil macht einen erheblich größeren Teil der Rate aus.
Zinssatz, Tilgung und Zinsbindung: Die drei Stellschrauben
Beim Annuitätendarlehen hast du als Kapitalanleger drei zentrale Stellschrauben, die du verstehen und bewusst einsetzen musst.
Der Zinssatz
Der Sollzinssatz bestimmt, wie viel du der Bank für das geliehene Geld zahlst. Er hängt ab von:
- Marktzinsniveau: Beeinflusst durch die EZB-Leitzinsen und die Kapitalmarktzinsen
- Beleihungsauslauf: Je höher der Finanzierungsanteil, desto höher der Zinsaufschlag
- Bonität: Einkommen, SCHUFA, bestehende Verbindlichkeiten
- Objektqualität: Lage, Zustand, Vermietbarkeit der Immobilie
- Zinsbindungsdauer: Längere Bindung kostet in der Regel mehr
Stand Anfang 2026 liegen die Bauzinsen für 10-jährige Zinsbindungen je nach Beleihungsauslauf und Bonität typischerweise zwischen 3,2 und 4,5 Prozent. Das ist deutlich höher als in der Niedrigzinsphase 2020/2021 (unter 1 %), aber historisch betrachtet immer noch moderat.
Tipp für Kapitalanleger: Die Zinsen sind bei Vermietung als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Ein höherer Zinssatz schmerzt daher nach Steuern weniger als bei Selbstnutzern -- vorausgesetzt, der Cashflow stimmt.
Die anfängliche Tilgung
Die anfängliche Tilgung gibt an, welchen Prozentsatz der Darlehenssumme du im ersten Jahr zurückzahlst. Typische Werte:
- 1 %: Minimale Tilgung -- niedrige Rate, aber sehr lange Laufzeit (über 40 Jahre bei moderaten Zinsen)
- 2 %: Standard -- guter Kompromiss aus Cashflow und Entschuldung
- 3 %: Schnelle Entschuldung -- höhere Rate, aber deutlich kürzere Laufzeit
- 4 % und mehr: Aggressive Tilgung -- nur sinnvoll bei sehr gutem Cashflow
Der Effekt ist enorm: Bei 200.000 Euro Darlehen und 3,5 % Zins:
| Anfängliche Tilgung | Monatliche Rate | Laufzeit bis schuldenfrei | Gesamtzinskosten |
|---|---|---|---|
| 1,0 % | 750 Euro | ca. 39 Jahre | ca. 151.000 Euro |
| 2,0 % | 917 Euro | ca. 27 Jahre | ca. 97.000 Euro |
| 3,0 % | 1.083 Euro | ca. 21 Jahre | ca. 72.000 Euro |
| 4,0 % | 1.250 Euro | ca. 17 Jahre | ca. 56.000 Euro |
Die Differenz bei den Gesamtzinskosten zwischen 1 % und 3 % Tilgung beträgt fast 80.000 Euro. Das ist Geld, das du der Bank schenkst -- oder eben nicht.
Die Zinsbindung
Die Zinsbindung legt fest, für wie viele Jahre dein Zinssatz garantiert bleibt. Übliche Zeiträume sind 5, 10, 15 oder 20 Jahre. Nach Ablauf der Zinsbindung wird eine Anschlussfinanzierung nötig -- und der Zinssatz richtet sich dann nach dem aktuellen Marktniveau.
Für Kapitalanleger gilt:
- Kurze Zinsbindung (5 Jahre): Niedrigerer Zins, aber hohes Zinsänderungsrisiko. Sinnvoll, wenn du von fallenden Zinsen ausgehst oder die Immobilie ohnehin bald verkaufen willst.
- Mittlere Zinsbindung (10 Jahre): Der Klassiker. Guter Kompromiss aus Zinshöhe und Planungssicherheit. Nach 10 Jahren besteht zudem ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht (§ 489 BGB).
- Lange Zinsbindung (15-20 Jahre): Höherer Zins, aber maximale Planungssicherheit. Besonders interessant in Niedrigzinsphasen -- weniger relevant bei bereits hohen Zinsen.
Der Leverage-Effekt: Fremdkapital als Rendite-Hebel
Der Leverage-Effekt (Hebeleffekt) ist das zentrale Argument für die Fremdfinanzierung von Immobilien als Kapitalanlage. Er beschreibt, wie Fremdkapital die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital überproportional steigern kann -- aber nur, wenn die Gesamtrendite der Immobilie über dem Fremdkapitalzins liegt.
Wie der Leverage-Effekt funktioniert
Die Grundidee ist einfach: Wenn du für geliehenes Geld 3,5 % Zinsen zahlst, die Immobilie aber eine Gesamtrendite von 5 % erwirtschaftet, arbeitest du mit einer positiven Zinsdifferenz von 1,5 Prozentpunkten. Diese Differenz kommt vollständig deinem Eigenkapital zugute.
Rechenbeispiel: Leverage-Effekt in der Praxis
Nehmen wir eine Eigentumswohnung mit folgenden Eckdaten:
- Kaufpreis: 250.000 Euro
- Kaufnebenkosten: 28.000 Euro (11,2 %)
- Gesamtinvestition: 278.000 Euro
- Jahresnettokaltmiete: 12.000 Euro (1.000 Euro/Monat)
- Nicht umlagefähige Kosten: 1.800 Euro/Jahr
- Netto-Mietertrag: 10.200 Euro/Jahr
Szenario 1: Kauf ohne Fremdkapital (100 % Eigenkapital)
- Eingesetztes Eigenkapital: 278.000 Euro
- Jährlicher Ertrag: 10.200 Euro
- Eigenkapitalrendite: 10.200 / 278.000 = 3,67 %
Szenario 2: Finanzierung mit 80 % des Kaufpreises
- Darlehen: 200.000 Euro (80 % von 250.000)
- Eingesetztes Eigenkapital: 78.000 Euro (50.000 + 28.000 Nebenkosten)
- Jährliche Zinsen (3,5 %): 7.000 Euro (im 1. Jahr)
- Jährliche Tilgung (2 %): 4.000 Euro (im 1. Jahr)
- Jährlicher Ertrag nach Zinsen: 10.200 - 7.000 = 3.200 Euro
- Vermögensaufbau durch Tilgung: 4.000 Euro
- Eigenkapitalrendite (Cashflow + Tilgung): (3.200 + 4.000) / 78.000 = 9,23 %
Der Unterschied ist frappierend: Durch den Einsatz von Fremdkapital steigt die Eigenkapitalrendite von 3,67 % auf 9,23 % -- eine Vervielfachung um den Faktor 2,5. Das ist der Leverage-Effekt in Aktion.
Aber Vorsicht: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Steigen die Zinsen bei der Anschlussfinanzierung oder sinken die Mieten, kann die Eigenkapitalrendite genauso schnell fallen -- oder sogar negativ werden.
Du willst den Leverage-Effekt für deine konkrete Immobilie durchrechnen? Mit ImmoCalc kannst du den Finanzierungsgrad per Schieberegler zwischen 0 und 120 % variieren und siehst sofort, wie sich Eigenkapitalrendite, monatlicher Cashflow und Restschuldverlauf verändern. So findest du die optimale Finanzierungsstruktur für dein Investment.
Der optimale Finanzierungsgrad: Wie viel Fremdkapital ist sinnvoll?
Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage nach dem optimalen Finanzierungsgrad. Die richtige Antwort hängt von deiner individuellen Situation ab. Hier sind die wichtigsten Faktoren.
Faktoren für einen höheren Finanzierungsgrad (80-100 %)
- Positiver Cashflow auch bei hoher Finanzierung: Wenn die Mieteinnahmen die Kreditrate und alle Kosten decken
- Steuerliche Optimierung: Höhere Zinskosten bedeuten höhere Werbungskosten und damit eine niedrigere Steuerlast
- Kapitaleffizienz: Du bindest weniger Eigenkapital pro Objekt und kannst in mehrere Immobilien diversifizieren
- Inflationsschutz: Der reale Wert der Schulden sinkt mit der Inflation, während die Immobilie nominal an Wert gewinnt
Faktoren für einen niedrigeren Finanzierungsgrad (50-70 %)
- Bessere Konditionen: Banken bieten bei niedrigerem Beleihungsauslauf günstigere Zinsen
- Cashflow-Sicherheit: Die niedrigere Rate schafft einen größeren Puffer für Mietausfälle oder Reparaturen
- Geringeres Risiko bei Zinssteigerungen: Bei der Anschlussfinanzierung wirkt sich ein höherer Zins weniger stark aus
- Weniger Gesamtzinskosten: Du zahlst über die Laufzeit weniger an die Bank
Praxis-Empfehlung für Einsteiger
Für den ersten Immobilienkauf als Kapitalanlage hat sich ein Finanzierungsgrad von 70-80 % des Kaufpreises bewährt. Das bedeutet:
- Die Kaufnebenkosten trägst du aus Eigenkapital (ca. 8-12 % des Kaufpreises)
- Zusätzlich bringst du 20-30 % des Kaufpreises als Eigenkapital ein
- Gesamter Eigenkapitaleinsatz: ca. 30-40 % der Gesamtinvestition
Mit dieser Struktur bekommst du in der Regel gute Zinskonditionen, hast einen soliden Cashflow-Puffer und profitierst dennoch vom Leverage-Effekt.
Cashflow-Betrachtung: Wann trägt sich die Immobilie?
Für Kapitalanleger ist der monatliche Cashflow eine der wichtigsten Kennzahlen. Er zeigt, ob die Immobilie sich nach Abzug aller Kosten und der Kreditrate selbst trägt -- oder ob du monatlich zuschießen musst.
Cashflow vor Steuern
Monatlicher Cashflow = Mieteinnahme - Kreditrate - nicht umlagefähige Kosten - Instandhaltungsrücklage
Beispiel (basierend auf unserem Szenario 2):
- Mieteinnahme: 1.000 Euro
- Kreditrate: 916,67 Euro (200.000 Euro, 3,5 % Zins, 2 % Tilgung)
- Nicht umlagefähige Kosten: 150 Euro
- Instandhaltungsrücklage: 80 Euro
- Monatlicher Cashflow vor Steuern: -146,67 Euro
Ein negativer Cashflow vor Steuern ist bei vielen Kapitalanlagen zunächst normal -- besonders in Märkten mit höheren Kaufpreisen und moderaten Mieten. Entscheidend ist die Betrachtung nach Steuern.
Cashflow nach Steuern
Bei der Steuerberechnung kommen Kapitalanlegern mehrere Effekte zugute:
- Zinskosten als Werbungskosten: Die Zinsen (nicht die Tilgung) sind voll absetzbar
- Abschreibung (AfA): 2 % des Gebäudeanteils pro Jahr (bei Gebäuden ab 2023: 3 %)
- Weitere Werbungskosten: Verwaltung, Instandhaltung, Fahrtkosten, etc.
Vereinfachte Steuerberechnung (Grenzsteuersatz 42 %):
- Mieteinnahmen: 12.000 Euro/Jahr
- Abzugsfähig: Zinsen (7.000) + AfA (3.750, bei 75 % Gebäudeanteil von 250.000 x 2 %) + Bewirtschaftung (2.760) = 13.510 Euro
- Steuerlicher Verlust: -1.510 Euro
- Steuerersparnis: 1.510 x 42 % = 634 Euro/Jahr = ca. 53 Euro/Monat
Der Cashflow nach Steuern verbessert sich also um rund 53 Euro auf -93,67 Euro monatlich. Das ist immer noch negativ, aber: Die Tilgung von rund 333 Euro monatlich ist Vermögensaufbau. Effektiv zahlst du also knapp 94 Euro pro Monat dafür, dass jemand anderes 333 Euro deiner Schulden tilgt. Das ist ein Tausch, den viele Investoren gerne eingehen.
Die Finanzierung aus Bankensicht: Was Banken bei Kapitalanlegern prüfen
Wenn du als Kapitalanleger eine Finanzierung beantragst, prüft die Bank andere Aspekte als bei einem Selbstnutzer. Es hilft, diese Perspektive zu kennen.
Kapitaldienstfähigkeit
Die Bank prüft, ob du die monatliche Rate auch dann tragen kannst, wenn die Immobilie nicht vermietet ist. Dafür rechnet sie konservativ:
- Mieteinnahmen werden nur zu 70-80 % angerechnet (Sicherheitsabschlag für Leerstand)
- Bestehende Verbindlichkeiten werden voll berücksichtigt
- Lebenshaltungskosten werden pauschal angesetzt (ca. 800-1.000 Euro pro Person)
- Die verbleibende freie Liquidität muss die Kreditrate decken
Beleihungswert und Beleihungsauslauf
Die Bank ermittelt einen eigenen Beleihungswert, der oft 10-20 % unter dem Kaufpreis liegt. Der Beleihungsauslauf (Darlehen im Verhältnis zum Beleihungswert) bestimmt die Zinskonditionen:
- Bis 60 % Beleihungsauslauf: Beste Konditionen
- 60-80 %: Gute Konditionen mit leichtem Aufschlag
- 80-100 %: Spürbarer Zinsaufschlag, strengere Prüfung
- Über 100 %: Nur mit zusätzlichen Sicherheiten, deutlicher Aufschlag
Der Bankexport: Professionell vorbereitet ins Gespräch
Ein häufiger Fehler von Einsteigern: Sie gehen unvorbereitet ins Bankgespräch. Banken erwarten eine durchgerechnete Kalkulation, die zeigt, dass du dein Investment verstehst. Die wichtigsten Unterlagen sind:
- Exposé der Immobilie
- Vollständige Kalkulation (Kaufpreis, Nebenkosten, Finanzierungsstruktur, Cashflow)
- Einkommensnachweise
- Selbstauskunft und Vermögensaufstellung
Tipp: Mit ImmoCalc kannst du deine komplette Kalkulation als professionellen PDF-Bankexport erstellen. Das Dokument enthält alle relevanten Kennzahlen -- von der Finanzierungsstruktur über den Cashflow bis zur Renditeberechnung -- und macht im Bankgespräch einen professionellen Eindruck.
Sondertilgung: Flexibilität als Kapitalanleger
Die meisten Bankdarlehen bieten die Möglichkeit einer jährlichen Sondertilgung, typischerweise bis zu 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme. Ob du diese Möglichkeit nutzen solltest, ist bei Kapitalanlagen weniger eindeutig als bei Selbstnutzern.
Argumente für Sondertilgungen
- Schnellere Entschuldung: Du bist früher schuldenfrei und der Cashflow steigt
- Zinsersparnis: Jeder getilgte Euro spart dir den Darlehenszins
- Geringeres Risiko bei Anschlussfinanzierung: Niedrigere Restschuld bedeutet weniger Zinsänderungsrisiko
Argumente gegen Sondertilgungen bei Kapitalanlagen
- Steuerlicher Nachteil: Weniger Schulden bedeuten weniger absetzbare Zinsen
- Opportunitätskosten: Das Geld könnte in eine weitere Immobilie oder andere Anlageformen fließen
- Leverage-Effekt geht verloren: Weniger Fremdkapital bedeutet weniger Hebelwirkung
Strategische Empfehlung
Vereinbare die Möglichkeit zur Sondertilgung im Darlehensvertrag (kostet in der Regel keinen oder nur einen minimalen Aufschlag), aber nutze sie nur, wenn:
- Die Zinsen deutlich über der erwarteten Rendite alternativer Anlagen liegen
- Du das Risiko der Anschlussfinanzierung reduzieren willst
- Du keine bessere Verwendung für das Kapital hast
Anschlussfinanzierung: Das unterschätzte Risiko
Nach Ablauf der Zinsbindung musst du eine Anschlussfinanzierung abschließen. Der dann geltende Zinssatz kann erheblich von deinem aktuellen Zinssatz abweichen -- nach oben oder nach unten.
Was passiert bei steigenden Zinsen?
Nehmen wir an, du hast 200.000 Euro zu 3,5 % Zins und 2 % Tilgung finanziert. Nach 10 Jahren Zinsbindung beträgt die Restschuld rund 151.000 Euro. Wenn der Anschlusszins nun bei 5,5 % liegt (statt 3,5 %):
- Alte Rate: 916,67 Euro/Monat
- Neue Rate bei gleicher Tilgung: 151.000 x (5,5 % + 2 %) / 12 = 943,75 Euro/Monat
In diesem Fall steigt die Rate trotz niedrigerer Restschuld, weil der Zinsaufschlag die Tilgungsersparnis überkompensiert. Bei noch höheren Zinsen kann das den Cashflow erheblich belasten.
Strategien zur Absicherung
- Forward-Darlehen: Bis zu 5 Jahre vor Ablauf der Zinsbindung kannst du den Anschlusszins bereits festschreiben. Kostet einen Aufschlag (ca. 0,01-0,03 Prozentpunkte pro Monat Vorlaufzeit), bietet aber Planungssicherheit.
- Längere Zinsbindung von Anfang an: 15 oder 20 Jahre statt 10 Jahre. Der Zinsaufschlag liegt typischerweise bei 0,3-0,6 Prozentpunkten.
- Höhere Tilgung: Reduziert die Restschuld schneller und damit das Risiko bei der Anschlussfinanzierung.
- Sonderkündigungsrecht nutzen: Nach § 489 BGB kannst du nach 10 Jahren mit einer Frist von 6 Monaten kündigen -- unabhängig von der vereinbarten Zinsbindung.
Häufige Fehler bei der Immobilienfinanzierung als Kapitalanleger
Zum Abschluss die häufigsten Fehler, die ich in der Praxis sehe -- und wie du sie vermeidest.
Fehler 1: Nur auf die Rate schauen
Viele Einsteiger optimieren die monatliche Rate nach unten (niedrige Tilgung, kurze Zinsbindung), ohne die Gesamtkosten und Risiken zu berücksichtigen. Eine niedrige Rate nützt nichts, wenn du nach 10 Jahren auf einer hohen Restschuld sitzt und die Zinsen gestiegen sind.
Fehler 2: Cashflow-Puffer vergessen
Plane immer einen Puffer für Mietausfall (mindestens 1 Monatsmiete pro Jahr als Rücklage), unerwartete Reparaturen und Mieterwechsel. Eine Finanzierung, die nur bei 100 % Vermietung aufgeht, ist zu knapp kalkuliert.
Fehler 3: Steuereffekte überschätzen
Ja, Zinsen und AfA sind absetzbar. Aber die Steuerersparnis sollte nie der Hauptgrund für ein Investment sein. Rechne immer auch das Szenario ohne Steuervorteile durch.
Fehler 4: Finanzierungsgrad zu hoch ansetzen
110- oder 120-Prozent-Finanzierungen (inklusive Nebenkosten) sind möglich, bergen aber erhebliche Risiken: schlechtere Konditionen, negativer Cashflow, kein Puffer bei Wertverlust.
Fehler 5: Keine Vergleichsangebote einholen
Zinssätze variieren zwischen Banken erheblich. Hole immer mindestens 3 Angebote ein -- bei der Hausbank, bei einer Direktbank und über einen unabhängigen Finanzierungsvermittler.
Checkliste: Immobilienfinanzierung als Kapitalanleger
Bevor du die Finanzierung abschließt, prüfe diese Punkte:
- Gesamtinvestition berechnet: Kaufpreis plus alle Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler)
- Finanzierungsgrad festgelegt: Wie viel Fremdkapital, wie viel Eigenkapital?
- Tilgungssatz gewählt: Mindestens 2 % empfohlen, bei hohem Cashflow auch mehr
- Zinsbindung gewählt: 10 Jahre als Standard, bei günstigen Zinsen auch länger
- Cashflow durchgerechnet: Vor und nach Steuern, mit realistischem Mietansatz
- Anschlussfinanzierung simuliert: Was passiert bei 2 Prozentpunkten mehr Zins?
- Puffer eingeplant: Rücklagen für Leerstand, Reparaturen, Mieterwechsel
- Vergleichsangebote eingeholt: Mindestens 3 Banken oder Vermittler
- Sondertilgungsrecht vereinbart: Flexibilität für die Zukunft
- Bankexport vorbereitet: Professionelle Kalkulation für das Bankgespräch
Fazit: Die richtige Finanzierung ist der Schlüssel zum erfolgreichen Immobilien-Investment
Die Finanzierung entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Immobilien-Investment profitabel wird oder nicht. Als Kapitalanleger solltest du die drei Stellschrauben -- Zinssatz, Tilgung und Zinsbindung -- bewusst einsetzen und den Leverage-Effekt verstehen, bevor du Fremdkapital als Hebel nutzt.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Das Annuitätendarlehen ist die Standard-Finanzierungsform. Verstehe die Zusammensetzung deiner Rate aus Zins und Tilgung.
- Die anfängliche Tilgung hat enormen Einfluss auf Laufzeit und Gesamtzinskosten. 2 % sind das Minimum, 3 % sind oft besser.
- Der Leverage-Effekt kann deine Eigenkapitalrendite vervielfachen -- aber er wirkt in beide Richtungen.
- Ein Finanzierungsgrad von 70-80 % bietet für Einsteiger einen guten Kompromiss aus Rendite und Sicherheit.
- Plane immer mit Puffer: Mietausfall, Reparaturen und steigende Zinsen bei der Anschlussfinanzierung können den Cashflow belasten.
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